ARCHIVE-IT ist der Trägervereins des Subarchivs, welches seinen Schwerpunkt auf die Geschichte der Alternativ-, Sub- und Gegenkultur wie sozialen Bewegunen und Protestereignisse Innsbrucks und den Zentralraum Tirols hat, mit dem Ziel ein Onlinearchiv zu errichten. Das Archiv startete 2014 als stadt_potenziale Projekt von Albi Dornauer und Maurice Kumar, ursprünglich als Subkulturarchiv. Inzwischen sind wir angewachsen auf eine Gruppe von interessierten Menschen, deren Fokus auf Orte, Zeitungen, Vereine, Medien, Initiativen und Menschen liegt, die die Tiroler Zustände nicht einfach so hinnehmen, sondern diese aktiv ändern wollten, um eine Alternative zur alltäglichen Realität zu schaffen. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, diese Alternativen zu dokumentieren, sprich jene Ereignisse und Menschen, die eine andere Geschichten in Tirol ermöglichen wollen.
Unser Ziel ist eine andere Geschichte der Stadt Innsbruck und Tirol darzustellen, die nicht unterhalb oder abseits der „wahren“ Geschichte passierte, sondern jene Szenen und Orte, die das heutige Tirol stark mitgeprägt haben, festzuhalten. Dank dem Engagement von zahlreichen Personen und Initiativen hat sich eine durchaus beachtliche Szene entwickelt, die den Zustand der Provinz nicht einfach hinnehmen, sondern aktiv ändern wollte und immer noch tut, aber in der Vergangenheit nicht gesammelt wurde und unter der Oberfläche lag.
Archive sind niemals neutrale Orte. Sie sind stets mit Fragen von Macht, Sichtbarkeit und Erinnerung verbunden: mit der Entscheidung darüber, was bewahrt wird, was als erinnerungswürdig gilt und was dem Vergessen anheimfällt. Gerade soziale Bewegungen, alternative Kulturen, politische Initiativen und subkulturelle Ausdrucksformen finden in staatlichen oder institutionellen Archiven oft nur randständig oder gar keine Berücksichtigung.
Das Subarchiv Innsbruck versteht sich als freies, zivilgesellschaftlich getragenes Archiv, das diese Leerstelle bewusst adressiert. Es sammelt, bewahrt, kontextualisiert und vermittelt Materialien, die andernorts durch die Raster der offiziellen Überlieferung fallen. Ziel ist es, eine andere, erweiterte Stadt- und Regionalgeschichte sichtbar zu machen – nicht als Gegen- oder Parallelgeschichte, sondern als integralen Bestandteil der Geschichte Innsbrucks und Tirols.
Das Subarchiv ist dem Anspruch verpflichtet, eine kritische, multiperspektivische Erinnerungskultur zu fördern und den Zugang zu bewegungs-, kultur- und zeitgeschichtlichen Quellen nachhaltig zu sichern.
Das Subarchiv Innsbruck ist ein zeithistorisches Archiv mit dem Schwerpunkt auf Alternativ- , Sub-, Gegen- und Protestkulturen sowie auf zivilgesellschaftlichen Initiativen, die dominante gesellschaftliche Verhältnisse hinterfragt, kritisiert oder aktiv zu verändern versucht haben.
Der Begriff „Sub“ wird dabei ausdrücklich als offener Arbeitsbegriff verstanden. Er dient nicht der soziologischen Klassifikation, sondern der Sichtbarmachung dessen, was verborgen, übersehen oder bewusst ausgeblendet wurde. Entscheidend ist nicht die Zuschreibung als „Subkultur“, sondern der Beitrag dieser Akteur:innen und Praktiken zur gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklung Innsbrucks.
Räumlicher Fokus
Der räumliche Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Innsbruck und dem Tiroler Zentralraum. Überregionale Bezüge werden berücksichtigt, sofern sie für lokale Szenen, Bewegungen oder Akteur:innen relevant sind.
Zeitlicher Fokus
Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der Geschichte nach 1945 bis in die Gegenwart. Die Übernahme von Material außerhalb dieses Zeitraums ist möglich.
Medialer Fokus
Gesammelt werden analoge und digitale Materialien, insbesondere:
• Flugblätter, Broschüren, Plakate, Programme
• Fanzines, Zeitschriften, Zeitungsartikel
• Fotografien, Dias, Negative
• Ton- und Bildträger
• Sticker und ephemere Materialien
• interne Unterlagen politischer Gruppen (z. B. Protokolle)
• digitale Inhalte wie Webseiten und Social-Media-Beiträge
Arbeitsweise
Wir machen unsere Sammelarbeit und Digitalisierungsarbeit größtenteils ehrenamtlich. In bestimmten Fällen nehmen wir als Einzelpersonen Aufträge an. Wir freuen uns daher auch über Spenden für unser Archiv.
Ein zentrales Merkmal des Subarchivs ist die Dokumentation von Gesprächen mit Zeitzeug:innen. Diese Interviews erschließen Perspektiven auf soziale, politische und emotionale Dynamiken, die in schriftlichen Quellen häufig fehlen, und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung gefährdeter Erinnerungen.
Die Archivarbeit erfolgt überwiegend ehrenamtlich und basiert auf Vertrauen, Beziehungsarbeit und Vernetzung. Die Archivwürdigkeit von Materialien wird im Einzelfall beurteilt und orientiert sich an ihrer Relevanz für eine kritische Stadt- und Regionalgeschichte sowie am Gefährdungsgrad des Materials.
Das Subarchiv Innsbruck wird vom gemeinnützigen Verein archive it! – ARGE Subkultur getragen. Die Vereinsleitung fungiert zugleich als Archivleitung. Grundlage der Arbeit bilden die Vereinsstatuten, interne Richtlinien. Detaillierte Regelungen zu Benutzung, Schutzfristen und Vermittlungsformaten sind in der Benutzungsordnung festgelegt.
Gesammelt werden insbesondere private Sammlungen, Unterlagen von Initiativen, Vereinen und Gruppen sowie Materialien zu sozialen Bewegungen, Protesten, alternativen Kulturformen und subkulturellen Szenen.
Nicht gesammelt werden behördliche Unterlagen, kommerzielle Firmenarchive, dreidimensionale Objekte, Materialien ohne Tirol-Bezug, volkskulturelle Bestände sowie migrationsspezifische Materialien ohne Bezug zu Sub- oder Protestkulturen.
Das Subarchiv kooperiert insbesondere mit dem Stadtarchiv Innsbruck, das die professionelle Lagerung physischer Bestände ermöglicht. Weitere Kooperationen bestehen mit Museen, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Die Bestände des Subarchivs werden gesichtet, bewertet, geordnet, erschlossen und – soweit möglich – digitalisiert. Die Erschließung orientiert sich an archivfachlichen Standards (z. B. ISAD(G)), ohne den Charakter eines freien, ressourcenabhängig arbeitenden Archivs zu verlieren. Ein zentrales Ziel ist die schrittweise Online-Zugänglichmachung von Materialien unter Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Rahmenbedingungen. Nur ein Teil der Bestände wird digitalisiert; das physische Archiv enthält darüber hinaus umfangreiches Material, das online nicht verfügbar ist.
Das Subarchiv unterstützt Forschung, Bildung, Vermittlung und zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung mit Stadt- und Regionalgeschichte im Rahmen seiner personellen und zeitlichen Ressourcen. Es versteht sich dabei als Umschlagplatz zwischen Archiv, Forschung und Öffentlichkeit.
Die Nutzung der Bestände steht grundsätzlich allen interessierten Personen offen. Die Nutzung vor Ort erfolgt nach Terminvereinbarung. Details zu Schutzfristen, Zugangsbedingungen, Leihgaben, Aufwandsentschädigungen und Vermittlungsangeboten sind in der Benutzungsordnung geregelt.
Das Subarchiv Innsbruck arbeitet mit vielfach sensiblen, personenbezogenen und politischen Materialien. Der Schutz von Personen, Gruppen und Kontexten hat dabei hohe Priorität. Die Zugänglichmachung entsprechender Bestände erfolgt ausschließlich nach
sorgfältiger Abwägung sowie – sofern möglich und sinnvoll – in Rücksprache mit den Bestandsbildner:innen oder Zeitzeug:innen.
Das Sammelprofil des Subarchivs Innsbruck versteht sich als dynamisches Arbeitsdokument. Es wird in Abhängigkeit gesellschaftlicher Entwicklungen, neuer Protest- und Kulturformen, technischer Veränderungen sowie der verfügbaren archivischen Ressourcen laufend überprüft und weiterentwickelt.
Das Subarchiv Innsbruck sammelt, bewahrt und vermittelt Geschichte von unten. Es versteht Archivarbeit als politische, kulturelle und gesellschaftliche Praxis, die Sichtbarkeit schafft, Partizipation ermöglicht und dem Vergessen entgegenwirkt.
Als freies Archiv positioniert sich das Subarchiv bewusst zwischen institutioneller Geschichtsschreibung, zivilgesellschaftlichem Engagement und kultureller Praxis. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen einen reflektierten Zugang zu kritischer Stadt- und Regionalgeschichte zu eröffnen und die Vielfalt gesellschaftlicher Erfahrungen dauerhaft zu sichern.
Zur Vermittlung organisiert das Subarchiv Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, Stadtspaziergänge und Publikationen; Angebote werden auf der Website veröffentlicht und können bei gezielten Anfragen nach Ressourcen und Aufwandsentschädigung vereinbart werden.
ARCHIVE-IT ist ein offenes Projekt und versteht sich nicht als ein „elitäres Grüppchen“, das es besser weiß. Das heißt, interessierte Menschen, die mitmachen wollen, können sich gern bei uns melden. Wenn jemand das Gefühl hat, dass wichtige Perspektiven fehlen, etwas nicht richtig dargestellt ist oder eine Person es einfach besser weiß, dann laden wir Dich ein, uns zu kontaktieren, um das zu ändern.
Menschen, die Materialien besitzen, können sich gern bei uns melden. Falls Ihr Material besitzt bzw. Personen kennt oder glaubt, selbst einen wertvollen Beitrag leisten zu können, würden wir uns freuen, wenn Ihr Euch bei uns meldet und Leerstellen im Archiv füllt.
https://subarchiv.org/
archive-it@subkulturarchiv.at
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Archive it! - ARGE SUBKULTUR
Tschamlerstrasse 3/1c/o cunst&co 6020 Innsbruck